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<title>Brotbrechen</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Brotbrechen</span></h1>
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<p>Das <b>Brotbrechen</b> ist eine alte Sitte im <a href="Naher_Osten" title="Naher Osten">Nahen Osten</a> zu Beginn einer Mahlzeit. Zuweilen wird es deswegen auch mit dem Essen selbst gleichgesetzt.
</p><p>Im christlichen Kontext ist es wie die <a href="Handauflegung" title="Handauflegung">Handauflegung</a> außerdem eine <a href="Fr%C3%BChchristlich" class="mw-redirect" title="Frühchristlich">frühchristliche</a> gemeinschaftlich-festliche Handlung, die auch <a href="Jesus_Christus" title="Jesus Christus">Jesus Christus</a> gemäß dem Neuen Testament durchgeführt haben soll. Es gibt begriffliche Überschneidungen zur <a href="Eucharistie" title="Eucharistie">Eucharistie</a>. Zwar ist nicht jedes biblische Brotbrechen Eucharistie, aber das Wort <i>Brotbrechen</i> wird in einigen christlichen <a href="Freikirche" title="Freikirche">Freikirchen</a>, so zum Beispiel in vielen Gemeinden der <a href="Br%C3%BCderbewegung" title="Brüderbewegung">Brüderbewegung</a>, als Synonym für den <a href="Abendmahlsgottesdienst" title="Abendmahlsgottesdienst">Abendmahlsgottesdienst</a> verwendet.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Judentum">Judentum</h2></div>

<p>Brotbrechen ist im Orient der Vorgang, der am Beginn einer Mahlzeit stattfindet, also ein Signal des Ranghöchsten, dass man mit dem Essen beginnt.
Dennoch sei nach <a href="Clemens_Leonhard" title="Clemens Leonhard">Leonhard</a> (2016)<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> der Begriff ‚Brotbrechen‘ im <a href="Tanach" title="Tanach">Tanach</a> als eine spezifische Sprachwendung nicht vorhanden. Demzufolge haben sich die <a href="Rabbinen" class="mw-redirect" title="Rabbinen">Rabbinen</a> mit dem Begriff in seinen <a href="Literatur" title="Literatur">literarischen</a> Traditionen nicht auseinandergesetzt und es habe auch keinen Grund geben, ihre eigenen <a href="Ritual" title="Ritual">Rituale</a> nach literarischen Vorbildern zu repristinieren, das heißt wiederaufleben zu lassen. In seiner Untersuchung, in den <a href="Konkordanz_(Bibelwissenschaft)" class="mw-redirect" title="Konkordanz (Bibelwissenschaft)">Konkordanzen</a> zu den älteren <a href="Rabbinische_Literatur" title="Rabbinische Literatur">rabbinischen</a> <a href="Text" title="Text">Texten</a> konnte er ferner zeigen, dass dem <a href="Begriff" title="Begriff">Begriff</a> des ‚Brotbrechens‘ keine Funktion als geprägte <a href="Metonymie" title="Metonymie">Metonymie</a> für ein „Mahlhalten“ zukommt.
</p><p>In der <a href="Tanach" title="Tanach">hebräischen Bibel</a> bzw. dem <a href="Altes_Testament" title="Altes Testament">Alten Testament</a> ist dies ein gängiger Brauch:
</p>
<ul><li>dein Brot dem Hungrigen zu brechen (<a href="Jesaja" title="Jesaja"><span style="white-space:nowrap;">Jes</span></a> 58,7&nbsp;)</li>
<li>Und man wird ihnen nicht Brot brechen bei der Trauer, um jemanden wegen eines Toten zu trösten, noch wird man sie den Becher des Trostes trinken lassen wegen jemandes Vater und wegen jemandes Mutter (<a href="Jeremia" title="Jeremia"><span style="white-space:nowrap;">Jer</span></a> 16,7&nbsp;, vgl. auch <a href="Klagelieder_Jeremias" title="Klagelieder Jeremias"><span style="white-space:nowrap;">Klgl</span></a> 4,4&nbsp;).</li></ul>
<p>Brotbrechen ist dabei nicht nur gemeinschaftsbildend, es ist auch segenstiftend, denn über das <a href="Brot" title="Brot">Brot</a> wird ein <a href="Segen" title="Segen">Segen</a> gesprochen (<a href="Bracha" title="Bracha">Bracha</a>, <a href="Hebr%C3%A4ische_Sprache" title="Hebräische Sprache">hebräisch</a> ברכה). So etwa phonetisch: <i>Baruch ata adonai, elohenu melech ha'olam, hamozi lechem min haaretz.</i> „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der die Erde Brot hervorbringen lässt.“
</p><p>Wer von dem Brot bekommen hat, hat Anteil an dem Segen, gehört also gewissermaßen in die Segensgemeinschaft.
</p><p>Brotbrechen ist eine typische Handlung im Zusammenhang mit der <a href="Kiddusch" title="Kiddusch">Kiddusch</a>-Feier und dem <a href="Seder" title="Seder">Sedermahl</a> am <a href="Pessach" title="Pessach">Pessachfest</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Christentum">Christentum</h2></div>

<p>Beim letzten <a href="Abendmahl_Jesu" title="Abendmahl Jesu">Abendmahl Jesu</a> am Vorabend des Passahfestes, bevor er verraten wurde, brach Jesus das Brot und stiftete das Mahl als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart: „Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (<a href="1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther" title="1. Brief des Paulus an die Korinther"><span style="white-space:nowrap;">1 Kor</span></a> 11,23–24&nbsp;) Ähnlich verfuhr er mit dem Wein. Der Überlieferung nach befolgten die Jünger schon kurz nach dem Tod und der Auferstehung Jesu diese Anweisung und empfanden den Ritus des Brotbrechens als Möglichkeit der Teilhabe am „sakramentalen Brot“ des <a href="Leib_Christi" title="Leib Christi">Leibes Christi</a> (<a href="1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther" title="1. Brief des Paulus an die Korinther"><span style="white-space:nowrap;">1 Kor</span></a> 10,16&nbsp;).<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch andere neutestamentliche Erzählungen wurden nach dem Muster des Brotbrechens beim Abendmahl gestaltet. In <a href="Evangelium_nach_Matth%C3%A4us" title="Evangelium nach Matthäus"><span style="white-space:nowrap;">Mt</span></a> 15,36&nbsp; heißt es: „Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie den Jüngern, und die Jünger verteilten sie an die Leute.“ (vgl. <a href="Evangelium_nach_Markus" title="Evangelium nach Markus"><span style="white-space:nowrap;">Mk</span></a> 8,6&nbsp;; <a href="Evangelium_nach_Matth%C3%A4us" title="Evangelium nach Matthäus"><span style="white-space:nowrap;">Mt</span></a> 14,19&nbsp;, <a href="Evangelium_nach_Lukas" title="Evangelium nach Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Lk</span></a> 9,16&nbsp;. Die Emmausjünger, die nicht zu den <a href="Apostel" title="Apostel">Zwölf Aposteln</a> gehörten, erkannten ihren Herrn am Brotbrechen (<a href="Evangelium_nach_Lukas" title="Evangelium nach Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Lk</span></a> 24,30&nbsp;)).
</p><p>Das Brechen der <a href="Konsekration#Konsekration_von_Brot_und_Wein" title="Konsekration">konsekrierten</a> <a href="Hostie" title="Hostie">Hostie</a> gehört zum Ritus der heiligen Messe und wird als Fortsetzung der Handlung verstanden, die Jesus beim letzten Mahl mit seinen Jüngern vollzogen hatte.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Frühe_Kirche"><span id="Fr.C3.BChe_Kirche"></span>Frühe Kirche</h2></div>
<p>In der <a href="Apostelgeschichte" class="mw-redirect" title="Apostelgeschichte">Apostelgeschichte</a> finden sich Berichte über das frühchristliche Brotbrechen.
</p>
<ul><li><a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 2,46–47&nbsp;: <i>Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt.</i></li>
<li><a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 2,42&nbsp;: <i>Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.</i></li>
<li><a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 20,7&nbsp;: <i>Als wir am ersten Wochentag versammelt waren, um das Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, denn er wollte am folgenden Tag abreisen; und er dehnte seine Rede bis Mitternacht aus.</i></li></ul>
<p>Weitere neutestamentliche <a href="Bibel" title="Bibel">Bibelstellen</a> zum Brotbrechen: <a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 27,35&nbsp;, <a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 20,11&nbsp;.
</p><p>Diese Berichte beziehen sich vermutlich auf das Liebesmahl (<a href="Agape" title="Agape">Agape</a>, <a href="Brief_des_Judas" title="Brief des Judas"><span style="white-space:nowrap;">Jud</span></a> 12&nbsp;) der Christen. Die <a href="Eucharistie" title="Eucharistie">Eucharistie</a> war ursprünglich ein Bestandteil dieses Liebesmahles (<a href="1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther" title="1. Brief des Paulus an die Korinther"><span style="white-space:nowrap;">1 Kor</span></a> 11,20–34&nbsp;). Erst die Intervention des Apostels <a href="Paulus_von_Tarsus" title="Paulus von Tarsus">Paulus</a> aufgrund der korinthischen Missstände leitete hier eine Trennung ein (1. Korinther 11,34: „Wer Hunger hat, soll zu Hause essen...“).
</p><p>Auch noch die <a href="Didache" title="Didache">Didache</a> und <a href="Ignatius_von_Antiochien" class="mw-redirect" title="Ignatius von Antiochien">Ignatius von Antiochien</a> sprechen von der Aufforderung, am Sonntag das Brot zu brechen. Der Begriff findet sich auch als Ausdruck für das Abendmahl in den <a href="Schleitheimer_Artikel" title="Schleitheimer Artikel">Schleitheimern Artikeln</a> der reformatorischen <a href="T%C3%A4uferbewegung" class="mw-redirect" title="Täuferbewegung">Täuferbewegung</a>. Ansonsten konnte sich der Begriff <i>Brotbrechen</i> aber nicht als Bezeichnung für die <a href="Heilige_Messe" title="Heilige Messe">Heilige Messe</a> durchsetzen.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Agnus_Dei" title="Agnus Dei">Agnus Dei</a></li>
<li><a href="Antidoron" title="Antidoron">Antidoron</a></li>
<li><a href="Korporale" title="Korporale">Korporale</a></li>
<li><a href="Liturgie" title="Liturgie">Liturgie</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Clemens_Leonhard" title="Clemens Leonhard">Clemens Leonhard</a>: <i>Brotbrechen als Ritualelement formeller Mähler bei den Rabbinen und in der Alten Kirche.</i> Constanza Cordoni, <a href="Gerhard_Langer" title="Gerhard Langer">Gerhard Langer</a> (Hrsg.): <i>Let the Wise Listen and add to Their Learning" (Prov 1:5): Festschrift for Günter Stemberger on the Occasion of his 75th Birthday.</i> De Gruyter, Berlin / Boston 2016, S. 501–520. <a href="https://doi.org/10.1515/9783110435283-028" class="extiw external" title="doi:10.1515/9783110435283-028">DOI:10.1515/9783110435283-028</a> hier S. 506 </span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Josef_Andreas_Jungmann" title="Josef Andreas Jungmann">Josef Andreas Jungmann</a> SJ: <i>Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe.</i> Band 1, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 226.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Josef Andreas Jungmann SJ: <i>Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe.</i> Band 2, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 369.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans Bernhard Meyer SJ: <i>Eucharistie. Geschichte, Theologie, Pastoral</i> (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, Teil 4), Regensburg 1989, ISBN 3-7917-1196-2, S. 36</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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